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Zurück dann mit Übergepäck – Über das Ankommen und Zurechtfinden in der neuen alten Heimat.

Da saß ich nun in der schwarz-weiß gefliesten Küche unserer neuen Wohnung in Altlindenau auf dem Boden, Stühle gab es schließlich noch keine. Neben mir die IKEA-Anleitung für die neue Küche, vor mir der kugelrunde Bauch einer Schwangeren im neunten Monat. Und im Kopf kreisten die Gedanken. Wann kommen wohl die Möbel an? Und lernen wir unser Baby pünktlich zum Entbindungstermin kennen? Wie genau funktioniert das nochmal mit der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt und wann genau wollte die Hebamme kommen? Und was kostet nochmal ein Ticket für die Straßenbahn? Zurückblickend muss ich sagen: das war auch alles ein bisschen viel auf einmal. Einen Umzug von Kiew nach Leipzig zu planen und das nur fünf Wochen vor der bevorstehenden Geburt meines ersten Kindes. Klar, ich habe gegenüber vielen anderen Zugezogenen den Vorteil, dass das nicht mein erster Umzug war. Aber den letzten habe ich aus beruflichen Gründen aus einem WG-Zimmer in Berlin als Single angetreten und zurück komme ich nun mit meinem Freund, der bisher nur einmal zu Besuch in Deutschland war, und einem kleinen Baby im …

Vom Einzelkind zum großen Bruder. Oder, die Angst davor die Liebe teilen zu müssen.

Da liege ich in unserem großen neuen Bett und die Tränen laufen mir in Sturzbächen über das Gesicht. Dicht an mich gekuschelt liegt mein Babymädchen, 5 Tage alt. Meilenweit von mir entfernt liegt mein großer Junge. 3 Jahre alt, seit 5 Tagen großer Bruder. Was habe ich diesen Moment gefürchtet, wenn meine Nummer 1 plötzlich merkt, dass da ein neuer Mensch in unserem Leben ist. Ein kleines Wesen, das ihn zum großen Bruder macht, wegen dem er den Status Einzelkind verliert. „Wenn der Mini seine Schwester zum ersten mal sieht, das ist ein magischer Moment!“, schwärmen mir Freundinnen vor. „Das musst du unbedingt für die Ewigkeit festhalten.“ Und die Realität? Der Mini kommt ins Krankenhaus, freut sich tierisch mich zu sehen. „Willst du deine Babyschwester mal sehen“, gurre ich? „Nein danke, hab schon!“ Gut, das Kamerateam kann ich nach Hause schicken. Doch versetze ich mich in die Lage meines kleinen Lausbuben, dann wird mir die Tragweite der neuen Situation bewusst. Zwischen mich und den Mini passt kein Blatt. Mein sensibler, lustiger und lebensfroher kleiner Blondschopf. …

9 Monate kommt’s, 9 Monate geht’s

Neun Monate kommt der Bauch, neun Monate geht er. So weiß es der Volksmund zu berichten. Wie viel Wahrheit in dieser alten Weisheit steckt, habe ich im Selbstversuch getestet. Vor der Schwangerschaft habe ich mir immer vorgestellt, wie es sich wohl so anfühlen muss, wenn man eine hübsche kleine Murmel hat, die man voller Stolz vor sich herträgt, verträumt und liebevoll streichelt und die sich ab und an sanft bewegt. Doch wie ist das oft mit Tagträumen und der Wirklichkeit? Da gibt es eine große Lücke, genannt Realität. Doch fangen wir mal von vorne an. Als ich merkte dass ich schwanger bin, war ich gerade in der 9. Woche. Da war mein Bauch noch flach und straff (hach, das waren Zeiten …). So bleib es auch erst mal eine Zeit lang. Mein Körper schien noch nicht Lunte gerochen zu haben, was da vor sich ging. Die obere Etage merkte zuerst, dass es einen neuen Untermieter gab und begann damit sich rauszuputzen. Heißt übersetzt, die Brüste wuchsen so enorm, dass mir keine Bluse mehr passte. Klingt …