Alle Artikel in: Kolumnen

„Mama, freust du dich, wenn du nicht alleine baden musst?!“ – Jeder Tag ist Muttertag!

Kinder sind ein Geschenk Gottes. Und weil gestern Muttertag war, durfte ich den gesamten Tag allein mit meinen beiden Geschenken verbringen. Exklusiv. Allerdings kann man auch von guten Dingen eine Überdosis bekommen, daher freute ich mich auf den Abend. Der kam natürlich – wie oft – viel zu spät. Als er endlich angebrochen und das Babymädchen im Bett war, hatte ich mir einen Plan zurechtgelegt. Der Minimann durfte noch 20 Minuten Tablett schauen und ich würde diese kostbare Zeit für die Badewanne nutzen. Ich verlor keine Sekunde. Heißes Wasser aufdrehen, aus den Jeans hüpfen, hoffnungsvoll ein Buch an den Wannenrand platzieren und …. ahhhh. Abtauchen! Sekunden später. Die Badezimmertür öffnet sich. „Mama, du bist ja in der Wanne!“ (Man kann nichts vor ihm geheim halten.) „Ich muss nur mal schnell aufs Klo, dann komm ich auch rein!“ „Nee ist noch zu warm für dich, geh mal pullern und dann darfst du später in die Badewanne.“ “Ich muss nicht pullern. Ich muss groß!“ 3 Minuten später Der Junior dampft wieder ab, der Geruch bleibt. Ich bin zurück im Wasser. …

Corona Tagebuch: Eine Woche „nur wir“

24.04.2020 – 41 Tage „nur wir“   41 Tage sind wir nun nur zu dritt gewesen. Das letzte Mal, dass ich so lange fast niemanden getroffen habe, war im Wochenbett. Das habe ich mir damals ganz für uns als Familie reserviert. Was auffällt an diesem Vergleich: während in Deutschland das Wochenbett acht Wochen dauern soll, sind es in der Türkei genau 40 Tage. Etymologisch stammt das Wort „Quarantäne“ aus dem Lateinischen und bedeutet genau das, nämlich „Vierzig“.   So, unsere 40 Tage sind nun um, unsere Isolation leider noch nicht. Und zusätzlich zu den fehlenden sozialen Kontakten, sehe ich nun nicht einmal mehr, ob mich die Verkäufer im Supermarkt anlächeln. Oder die anderen Kunden, wenn ich warte, damit sie mit Abstand an mir vorbeigehen können. Denn seit dieser Woche gibt es eine Maskenpflicht in Sachen. Also habe ich am Montag zum ersten Mal in meinem Leben einen Mundschutz getragen. Wir brauchten nämlich dringend neue Schuhe für meinen Sohn. Ich habe also meine Maske aufgesetzt. Nur ein Elternteil durfte das Geschäft betreten und mein Sohn sollte …

Lass das mal den Papa machen! Ist der Vater ein gleichwertiges Elternteil oder nur ein Babysitter?

Eine Mädelsrunde, irgendwo in Deutschland. Erwachsene Frauen sitzen einträchtig beisammen, ringsherum spielen ihre Kinder. „Ach bin ich froh, dass mein Mann mir die Kinder heute mal zwei Stunden abnimmt“, wirft ein Freundin in die Runde. Zustimmendes Nicken, ja das sei wirklich schön. Mal durchatmen. ‚Hä, wieso eigentlich abnehmen? Soweit ich weiß sind es auch seine Kinder und wenn mich nicht alles täuscht, dann sogar zu 50 Prozent. Hast du irgendeinen Vertrag unterschrieben der besagt, dass du und du allein für die Kinderbetreuung verantwortlich bist? Einzig und allein aus dem Grund weil DU sie ja auch in die Welt gesetzt hast???‘ Das alles würde ich gern fragen, trau mich aber nicht. Denn außer mir scheint es keine der anderen Mütter komisch zu finden, dass Papa die Kinder mal „abnimmt“. „Nun ja“, erklärt die Freundin weiter, „zwei Stunden reichen ja auch. Schließlich arbeitet er die ganze Woche und brauch auch mal ne Pause.“ Wieder bestätigendes Nicken der Anderen und in mir brodelt es. So sehr, dass ich bald überkoche! „Schließlich arbeitet er die ganze Woche!“ Er arbeitet? …

Corona Tagebuch: Eine Woche „nur wir“

Unsere Kolumnistin Christin schreibt direkt aus Leipzig: Christin ist mit Mann und Baby im Bauch im Mai 2018 von Kiew nach Leipzig gezogen. Während sie beruflich alle paar Jahre versetzt wird, ist Leipzig jetzt gerade ihre Wahlheimat auf Zeit. Was sie außer ihrem Wohnort sonst noch so wählt: Süßes statt Salzigem, heiße statt kalte Dusche und Minimalismus statt Konsum. 03.04.2020 – 21 Tage „nur wir“   Gerade wird wahrscheinlich so oft wie nie darüber geschrieben und gesprochen, welche große Aufgabe es ist, den Haushalt zu führen, die Kinder zu betreuen und dann auch gleichzeitig noch zu arbeiten. Und das ist so ein wichtiges Thema, dass es längst überfällig ist, dass dieses jetzt mal in den Vordergrund gerückt wird und vielleicht auch zu einer Debatte zur angemessenen Entlohnung der Carearbeit führt. Denn wenn ich zusammenrechnen würde, was ich heute bereits verdient habe sähe das wie folgt aus:   Ich war Köchin und habe das Frühstück serviert, ich war Reinigungsfachkraft und habe gestaubsaugt und den Müll rausgebracht, ich war Zimmermädchen und habe die Bettwäsche gewechselt, ich war …

Corona Tagebuch: 30.03.2020 – Eine Woche „nur wir

Unsere Kolumnistin Christin schreibt direkt aus Leipzig: Christin ist mit Mann und Baby im Bauch im Mai 2018 von Kiew nach Leipzig gezogen. Während sie beruflich alle paar Jahre versetzt wird, ist Leipzig jetzt gerade ihre Wahlheimat auf Zeit. Was sie außer ihrem Wohnort sonst noch so wählt: Süßes statt Salzigem, heiße statt kalte Dusche und Minimalismus statt Konsum.   24.03.2020 – 11. Tag „nur wir“ Oh, wie bin ich froh über dieses kleine Tagebuch, was ich jetzt gerade führe. Nicht nur, weil ich hier meine vielen Gedanken sammeln kann, sondern auch, weil dies irgendwie gerade der einzige Anlass ist, zu dem ich mal in den Kalender schaue. Jeder Tag ist doch jetzt ein Sonntag: keine Termine, keine Einkäufe, keine Besuche, keine Geburtstagsfeiern. Und das auch nicht in naher Zukunft. Irgendwie vergeht die Zeit nicht, weil jeder Tag gleich ist. Irgendwie vergeht die Zeit so schnell und ich trauere all den Tagen nach, in denen ich meine Freunde und Familie nicht sehen konnte, wissend, dass ich ganz bald schon wieder weit weg wohnen werde. Urlaube …

Corona Tagebuch: 20.03.2020 – Eine Woche „nur wir“

Unsere Kolumnistin Christin schreibt direkt aus Leipzig: Christin ist mit Mann und Baby im Bauch im Mai 2018 von Kiew nach Leipzig gezogen. Während sie beruflich alle paar Jahre versetzt wird, ist Leipzig jetzt gerade ihre Wahlheimat auf Zeit. Was sie außer ihrem Wohnort sonst noch so wählt: Süßes statt Salzigem, heiße statt kalte Dusche und Minimalismus statt Konsum. Diesen Text hier sollte es nicht geben. Eigentlich hab ich nämlich gar keine Zeit dafür. Mein Sohn schläft nur noch wenig, sein Papa arbeitet so viel und abends funktioniert mein Kopf nicht mehr gut genug, um zusammenhängende Sätze zu produzieren und zu Papier zu bringen. Dieser Text ist aber da. Weil ich Zeit habe. Weil ich so viel denke und aussprechen möchte. Weil gerade eine Ausnahmesituation in unser aller Leben getreten ist.   Was hat sich für uns in den letzten Tagen geändert? Eigentlich gar nicht so viel. Ich bin weiterhin in Elternzeit mit meinem Sohn zu Hause. Mein Freund hat weiterhin ein Unternehmen, was ihm erlaubt, von zu Hause zu arbeiten. Wir gehen nachmittags manchmal …

Februar – Neue Stadt, neues Dorf

Die Schwangerschaft und das Muttersein haben mich wie ein Urknall zu einem neuen Hobby geführt: Blogs und Artikel über das Elternsein, über bedürfnisorientierte Erziehung, über erste Hilfe bei Schnupfen und Fieber, über Entwicklungssprünge, über das (Ab-)Stillen und über Spielideen für Babies und Kleinkinder. Was sich da für eine neue Welt auftut, ich sag’s euch. Wenn ich also bei und nach der Einschlafbegleitung mal wieder auf Instagram in diesen Bann gezogen werde und einer Empfehlung nachgehe, lese ich super gerne die Kurzbeschreibung der Person, die hinter den Texten steht. In ein paar Worten und Zeichen muss sich da der Autor beschreiben, den natürlich viel mehr ausmacht als nur ein paar Zeilen. Manche fokussieren sich auf die Familienmitglieder, manche erwähnen ihr Lieblingsessen, manche nennen ihren Hochschulabschluss, einige sind faktenbasiert, andere witzig. Und dann irgendwann im Dunkeln neben meinem stillenden Baby hab ich gedacht: was bin ich eigentlich? Wer bin ich in 30 Zeichen? Meine 32 Jahre in so ein kleines Format zu packen ist natürlich nicht einfach. Ich habe also überlegt, was so die Funfacts sind, die …

Notenschluss

Das alte Jahr ist vorbei. Weihnachten ist vorbei. Der Januar ist auch schon wieder vorbei. Und nun nähert sich auch schon das Ende des ersten Schulhalbjahres. Die Schüler*innen waren gerade noch glücklich über ihre in Erfüllung gegangen Wünsche unter dem Weihnachtsbaum, sie haben munter ins neue Jahr gefeiert, keinen winzigkleinen Gedanken an Schule verschwendet und schon hallt es fürchterlich in ihren Ohren: NOTENSCHLUSS. Hallo Realität. Hallo Halbjahreszeugnisse. Auch für die Lehrerinnen unter uns kommt dieser Notenschluss immer wieder überraschend. Müsste da nicht noch eine Klassenarbeit geschrieben werden und vielleicht noch die ein oder andere mündliche Note erteilt werden. Sind die Noten wirklich fair? Diese Zeit ist eh schon stressig. Notenkonferenzen hier. Zeugnisse schreiben da, so muss man auch noch jedem einzelnen Schüler und Schülerin verschiedene Kopfnoten eintragen. Auch eine Mitarbeitsnote für die Stillen, die sich vielleicht zwei Mal gemeldet haben, aber sonst immer alles richtig und schnell gemacht haben und dem Rüpel mit dem weichen Herz, der im Einzelgespräch doch echt ein netter Kerl ist, aber zu Hause einfach alles ein bisschen durcheinander geht. Auch …

Plus eins. Wie es in Leipzig ist, ein Kind zu bekommen.

Zwischen dem 31.12.2018 und 31.12.2019 hatte Leipzig einen Bevölkerungszuwachs von etwa 5.000 Personen zu verzeichnen. Dazu gehören natürlich auch mein Freund und ich. Der für uns wichtigste Neu-Leipziger kam dann allerdings erst ein paar Wochen später dazu. Anfang Juni waren die Küche aufgebaut, die Schränke eingeräumt, das Internet angeschlossen und wir bereit für unseren neuen Mitbewohner. Gern würde ich an dieser Stelle einfügen, dass es nur noch ein paar Wehen brauchte, um unsere Familie zu ergänzen. Ganz so einfach ist es aber leider nicht, in Leipzig ein Kind zu bekommen. Auf meiner gefühlt niemals endenden To-Do-Liste zum Umzug waren noch die Punkte Treffen mit Hebamme, Kinderarzt und Krankenhaus als super wichtig markiert. Und das brauch ich wahrscheinlich niemandem zu erzählen: das sind nicht nur super wichtige Erledigungen sondern auf der Schwierigkeitsskala von 1 bis 10 eine dicke fette 11. Die unmögliche Suche Natürlich hatte ich vom Hebammenmangel in Deutschland gehört. Natürlich war ich auf eine längere Suche vorbereitet. Natürlich wusste ich, dass es schwierig werden würde. Aber so? Beim Wettlauf um eine Hebamme hab ich …

Mein Vorsatz? Keine Vorsätze!

Mein Baby, der Kinderwagen und ich ruckeln durch das regengraue Rosental. Wir sind nicht die einzigen, die es bei diesem miesen Januarwetter vor die Tür treibt. Zahlreiche Sportler tummeln sich im Park, viel mehr als sonst. Einen Moment stutze ich, doch dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Das sind Gute-Vorsätze-Menschen. Im Januar haben die Hochkonjunktur und mit ihnen die Diät-Industrie, Fitnessstudios, Nikotinpflaster und Co.   Dieses Jahr mach ich da nicht mit. Vorsatz-Boykott! Und das, obwohl ich sehr genau weiß, dass es bei mir einiges zu optimieren gebe.   Nehmen wir nur mal diesen Tag. Ich bin heute Morgen kurz vor knapp aus dem kuschligen Bett gestiegen. Ich hätte den Tag auch in aller Ruhe, mit einer Meditation, 20 Sonnengrüßen und einer dieser hippen Kurkuma-Lattes beginnen können. Stattdessen schlaf ich solang mich die Minis lassen und mach mir lieber nen starken Kaffee. Auf dem Weg in die Küche kommt mir ein Rudel Wollmäuse entgegen. Wollmäuse – müsst ihr wissen– sind Herdentiere. Ich hätte mir vornehmen können den Haushalt besser in den Griff …