Alle Artikel in: Gastbeiträge

„Es kann in einer Stunde da sein. Oder in einer Woche.“ Geburtsbericht Elise

Anne erzählt von der Geburt ihres vierten Kindes. Sogar ein wunderschönes Video gibt es dazu, absolut sehenswert. Donnerstag, 2.5.2019. Mein Mann und unsere 3 Großen schlafen. Ich wehe in der heimischen Wanne vor mich hin. Morgen beginnt die Rufbereitschaft unserer Hebamme. Dieses, unser viertes Kind, soll im Geburtshaus geboren werden. Zwei kraftvolle Traumgeburten haben mein Liebster und ich schon zusammen erlebt und eine langwierige, anstrengende dritte. Gemischte Gefühle hatten mich nun in meiner letzten Schwangerschaft begleitet, vielleicht auch etwas Angst, noch einmal Kontrollverlust zu erleben. In den letzten zwei Wochen wehte ich mal mehr, mal weniger vor mich hin. Jetzt scheint es  regelmäßiger zu werden.  So bleibt es den ganzen Tag. Wir gehen nachmittags in den Zoo und plötzlich muss ich immer mal veratmen. Abends zu Hause stehen alle Zeichen auf Geburt. Wir informieren unsere Hebamme, sind freudig und aufgeregt. Sie schätzt, dass wir spätestens am Morgen unser Baby im Arm halten werden. Mit diesem Enthusiasmus wehe ich mich durch die Nacht. Erst mit meinem Liebsten an meiner Seite, dann schicke ich ihn ins Bett. …

Die Grundbedürfnisse gefühlsstarker Kinder

„Wir alle brauchen Luft zum Atmen, genügend zu essen und zu trinken, eine sichere Umgebung sowie ausreichend Schlaf, um zu überleben. Doch neben diesen körperlichen Grundbedürfnissen haben wir Menschen auch seelische Grundbedürfnisse, die erfüllt sein müssen, damit es Kindern wie Erwachsenen auf Dauer gut gehen kann. Zu diesen gehören das Bedürfnis nach Nähe und Bindung das Bedürfnis nach Halt und Orientierung das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit und Autonomie das Bedürfnis nach Wertschätzung und Akzeptanz Anders als bei unseren körperlichen Grundbedürfnissen liegt es in der Natur unserer seelischen Grundbedürfnisse, dass diese sich in einem ständigen Widerstreit befinden und niemals alle gleichzeitig komplett erfüllt sein können: Völlige Verbundenheit ist schließlich das Gegenteil vollkommener Autonomie, und begrenzender Halt von außen steht der freien Entfaltung in totaler Selbstwirksamkeit entgegen. Doch genau aus diesem Spannungsfeld entsteht jene gesunde Balance der Bedürfnisse, die für unsere seelische Gesundheit so wichtig ist. In Bezug auf gefühlsstarke Kinder heißt das: Es kann nicht unser Ziel als Eltern sein, ihren inneren Konflikt zwischen Nähebedürfnis und Freiheitsdrang, Sehnsucht nach Strukturen und Rebellion gegen Grenzen aufzulösen. Denn genau …

Tausche Leipzig gegen Kambodscha – Familie Döhler wandert aus

Wenn man Kambodscha hört, fällt dem ein oder anderen Südostasien-Fan sicher einiges dazu ein. Ganz allgemein dürfte das Nachbarland von Thailand, Laos und Vietnam für Backpacking, seinen Hauptsightseeing-Spot Ankor Wat, traumhafte Strände und relativ unberührte Natur bekannt sein. Aber halt! Was hat denn Kambodscha bitte hier in der Rubrik „Land und Leute“  zu suchen? Tja, die Verbindung zu diesem Abenteuerland schafft eine junge, sympathische Familie aus Leipzig. Und genau die wollen wir euch heute vorstellen: Meet the Döhlers Familie Döhler – das sind Katharina und Julius mit Jakob, 5 Jahre alt und das zweijährige Nesthäkchen Charlotte. Die vier quirligen Wahl-Leipziger lieben das Leben und teilen es am liebsten mit ihren Familien und Freunden. Im Juli 2019 wandern sie nach Kambodscha aus. So weit so gut. Doch wie kommt eine junge Familie dazu alle Zelte im schönen Leipzig abzubrechen und nach Kambodscha auszuwandern? Diese und viele weitere Fragen rund um ihr großes Abenteuer, ihre Familie und das Leben in Leipzig beantworten die Vier uns und euch im folgenden Interview. Wie alles begann … Katharina und Julius lernten …

Ein leckeres Honig–Osterlamm und wie wir zuhause auf Süßigkeiten verzichten

Vor der Geburt meiner Tochter, vor etwas mehr als zwei Jahren war ich eine absolute Naschkatze. Naja, um ehrlich zu sein, manchmal bin ich das heute noch. Aber mit der Geburt meiner Tochter hat sich etwas Entscheidendes verändert: Auf einmal war mir wichtig, was auf unserem Tisch landet.   Ich habe angefangen über unsere Ernährung nachzudenken, habe aufgehört Convenience Food zu kaufen und versucht mein persönliches Zucker-Dilemma zu beenden. Zur gleichen Zeit ist bei uns Zuhause der Thermomix, eine Küchenmaschine aus dem Hause Vorwerk, eingezogen. Und damit eine unendliche Erleichterung in der Küche. Aus meiner großen Thermomix-Liebe, die seit dem ersten Tag anhält, ist inzwischen mein Job geworden. Ich bin selbstständige Thermomix-Repräsentantin hier in Leipzig und versuche jeden Tag das Leben vieler Eltern zu erleichtern.   Heute habe ich ein wundervolles Osterrezept vorbereitet. Denn mit Ostern steht auch die Frage nach einfach guten Rezepten für das Osterfrühstück vor der Tür. Im besten Fall macht es etwas her, ist lecker und vor allem mit Kindern umzusetzen. Und keine Panik, du kannst das Rezept auch ohne Hilfe …

Ver-ein-bar-keit. Mein persönlicher Spagat

Vereinbarkeit. Ver-ein-bar-keit. Ein großes Wort. Ein schwieriges Wort. Meist bezeichnet es den Spagat zwischen Elternschaft und Berufsausübung- oder wie eben in meinem Fall: den Spagat zwischen Mama sein und Vollzeitstudium. Ich studiere in meinem letzten Bachelorsemester, im dritten Semester wurde Leo geboren und im sechsten kam dann Cecilia dazu. In der Regelstudienzeit bin ich also schon mal nicht mehr. Die Frage nach der Vereinbarkeit lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt Tage, da tanzt man förmlich durch den Tag, die Kinder schlafen gut und sind fröhlich,. To-Do Listen werden im Akkord abgearbeitet. Du schaffst Dein Lernpensum, triffst eine Freundin zum Kaffee und kochst dann abends noch ein tolles Essen für Deine Familie. Solche Tage bezeichne ich gern als rosa-Zuckerwolken Tage. Sie sind wunderbar- und leider nicht ganz so häufig. Die meisten Tage fühlen sich eher so an wie ein Wettlauf gegen die Zeit. Einkaufen, Wäsche, Geschenke besorgen, zum Praktikum rennen, Leo abholen. Windeln brauchen wir auch noch. Und WANN soll ich nur lernen? Abends fühlt sich mein Gehirn an wie eine riesige Matsch-Pfütze (so eine …

„Zeit, endlich schlafen zu gehen!“

Als Kind gehasst, als Mama herbei gesehnt: Schlaf. Lange war ich, Priska, definitiv absolut verwöhnt, was das Schlafen betrifft. Ich hatte Kinder, die sehr gerne, lange und viel geschlafen haben. Und dann kam mein drittes Kind. Frida wurde direkt nach unserer Bauphase geboren. Und genauso wenig Schlaf, wie ich in der Schwangerschaft bekam, genau so viel ist es heute. Frida ist 1,5 Jahre und will eigentlich Mittags nicht mehr schlafen. Frida ist kraftvoll und energiegeladen. Frida wird zu Hause betreut, eigentlich so lange wie möglich, aber Frida ist auch mein erstes Kind bei dem ich leise denke: „Ach, so 2h Fremdbetreuung wären gar nicht so schlecht.“ Wenn Babys nicht oder schlecht schlafen, akzeptieren wir das meistens still, trinken noch mehr Kaffee, tragen noch mehr Concealer auf und wissen: Die Zeit geht vorbei. Was aber, wenn diese Zeit eben nicht so richtig vorbei gehen will? Nora Imlau hat mit Dr.med Herbert Renz-Polster einen tollen Ratgeber geschrieben, der auch diese Zeit des Lebens mit abdeckt: „Schlaf gut, Baby!“. Wer das ganze Buch lesen will, kann sich hier …

Gefühlsstarke Kinder

Gefühlsstarke Kinder sind kein neues Phänomen. Es gab sie schon immer, und es ist ihnen nicht besonders gut ergangen. Sie galten als schwierig und widerspenstig, als Heulsusen und Unruhestifter, und vor allem: als schwer erziehbar, was in den vergangenen Jahrhunderten in unserer westlichen Erziehungskultur eine absolute Todsünde darstellte. Grausame Maßnahmen kamen zum Einsatz, um aus der Reihe tanzende Kinder auf Linie zu bringen. Viele wurden sowohl in der Schule als auch zu Hause beschämt und bestraft, beleidigt und gequält, und gingen aus diesem Martyrium als gebrochene Menschen heraus. In den vergangenen gut siebzig Jahren seit dem Ende der Nazi-Diktatur hat sich der Umgang mit „schwierigen Kindern“ in Deutschland zum Glück nach und nach zum Positiven gewandelt: Nach Kriegsende nahm der Einsatz so genannter Körperstrafen in allen vier Besatzungszonen bereits significant ab. In der DDR war Lehrerinnen und Lehrern das Schlagen ihrer Schützlinge bereits ab dem Jahr 1949 verboten, in der Bundesrepublik verschwand die Prügelstrafe 1973 unter dem Einfluss der neuen sozialen Bewegungen im Gefolge der 68er endgültig aus den Schulen. Doch vor körperlicher und seelischer …

10 Jahre Leipzig – 10 Lieblingsorte

Heute ist mein zehnter Jahrestag. Heute bin ich seit zehn Jahren in Leipzig. Völlig verrückt, wenn ihr mich fragt. Ich weiß noch ganz genau, wer ich war als ich hier angekommen bin. {Jung, naiv und idealistisch.} Ich wollte so schnell wie möglich wieder weg, maximal die drei Jahre Ausbildung absitzen und dann wieder in die große weite Welt entschwinden. Nein, es war wirklich keine Liebe auf den ersten Blick. Meine norddeutschen Freunde hatten immer etwas Mitleid mit mir, wer freiwillig in den Osten geht, mit dem kann doch etwas nicht so ganz stimmen. Skepsis und Vorurteile gegenüber meines neuen Wohnortes waren an der Tagesordnung, und auch bei mir floss die eine oder andere Träne. (Ok, sie hätten wahrscheinlich den Cospudener See füllen können.) Damals gab es noch kein „Hypezig“, kein „Lindenow“ und keine Artikel im New Yorker, dass Leipzig das neue Berlin sei. Wohnungen wurden einem quasi hinter her geworfen, von der ersten Liga hätte man nicht mal zu träumen gewagt und auch sonst war noch alles ziemlich anders. Insbesondere mein Stötteritzer Nachbar, ein älterer …