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Türchen 23 – Von zu hohe Erwartungen, verbannten Gänsen und dem bewussten Nichtstun

Erwartungen, das ist so eine Sache. An das erste Weihnachtsfest mit Baby, dem ersten also als eigene kleine Familie, hatte ich wahnsinnig hohe Erwartungen. Ich wollte es besonders schön haben. Wollte, dass bereits das erste Fest in die Erinnerungen unser kleinen Familie eingehen würde. Nun, das tat es, aber nicht, weil es so harmonisch war.

Verbrannte Gans und Tränen der Wut

Pünktlich zum ersten Heiligabend des Babys sollte der Mann nämlich Dienst haben. Also kein einträchtiges Beisammensein unterm Weihnachtsbaum. Und just als ich mich damit abgefunden hatte, bekam der Babymann seinen ersten Zahn. Au Backe. So schob ich an Heiligabend ein leidiges Baby durch den ungemütlichen Nieselregen. Derweil brutzelte die sauteure Bio-Gans im Ofen alle Bräunungsstufen hindurch. Bis sie schließlich bei „Grillbrickett“ angelangte.

Den Gottesdienst – den ich bis dato noch nie verpasst hatte – verbrachte ich auf und ab wippend mit Babymann in der Trage. VOR der Kirchentür. Stumme Tränen der Wut liefen mir über die Wangen.

Während die Familie zu Abend aß, versuchte ich das Baby in den Schlaf zu bekommen. Als ich es endlich geschafft hatte, war sogar die Bescherung schon vorbei. Alleine durfte ich mein Geschenk öffnen. Ein Babyphone! Was denn? Waren alle Bügeleisen schon ausverkauft?

Erwartungen, das ist so eine Sache. Meine waren auf alle Fälle zu hoch und ich fiel tief.

Niksen – Das feierliche Nichtstun

Ab da hatte ich mir vorgenommen, mir weniger vorzunehmen. Gerade für Weihnachten. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Doch gerade in diesem Jahr bekomme ich eine neue Chance! Denn es läuft doch eh  alles anders als an unseren traditionellen Festtagen zuvor.

Vor ein paar Tagen hatte ich den Begriff „Niksen“ das erste Mal gelesen. Er kommt aus dem Niederländischen und bedeutet – na, wer ahnt es – richtig: Nichtstun! Einfach mal stillsitzen. Aus dem Fenster schauen. Sich ein Tee kochen, und während das Wasser kocht, nicht noch schnell die Spülmaschine nebenher ausräumen und flott nen Pullover stricken. Nein! Einfach dem Wasserdampf zusehen und lauschen. Es rauscht und sonst … nix, herrlich. Einfach mal den Gedanken nachhängen und keine mentalen To-Do-Listen abspulen.

Und gestern, da hab ich es gleich mal ausprobiert. Ich sollte, ich musste, ich wollte – Vieles. Geschenke einpacken, Plätzchen backen, noch auf den letzen Drücker Karten schreiben. Doch dann lief ein Kinderfilm, den ich so schön fand, dass ich mich im Schlafanzug neben die Minis kuschelte. Ringsherum Chaos, dreckiges Frühstücksgeschirr, ein piepsender Trockner und ich tat – nichts. Außer da zu sitzen. Und geht es in der Weihnachtszeit nicht auch um das Ankommen? Bei sich selbst einkehren?

Wenn es ein Weihnachten gibt, an dem wir uns eine Pause redlich verdient haben, so ist es das im Jahr 2020. Alles wir ein bisschen weniger sein als sonst. Doch ich möchte die Chance nutzen, mit meiner kleinen Familie eigene Traditionen zu etablieren. Weniger müssen, weniger Verpflichtungen. Denn, das wusste bereits William Turner Ellis im 19. Jahrhundert –

„Erst wenn Weihnachten im Herzen ist, liegt Weihnachten auch in der Luft.“

 

So werde ich auch nun den Laptop zuklappen und mich im bewussten Nichtstun üben.

Habt es fein!

Eure Bella

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