Corona - Alltag, Familie & Leben, Familienleben, Gastbeiträge
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Corona Tagebuch: Eine Woche „nur wir und ein paar ausgewählte Andere“

21.05.2020 – 68 Tage „nur wir und ein paar ausgewählte Andere“

 

Im Haushalt passieren die meisten Unfälle. Sagt man zumindest. Ich frag mich ja, ob sich die Unfallstatistik in den letzten Wochen somit maßgeblich erhöht hat, wo doch alle so viel mehr zu Hause waren. Ich kann jeden falls bestätigen: heute gab es einen kleinen Zwischenfall, der wäre uns sonst sicher nicht passiert. Wunderbares Wetter mit Sonne, Feiertag, früher Mittagsschlaf – eigentlich die besten Voraussetzungen, um einen Ausflug an den See zu machen. Aber das haben bestimmt alle gedacht und um nicht mit dutzenden anderen am Ufer zusammenzusitzen, haben wir es uns auf dem Balkon gemütlich gemacht. Picknickdecke, Snacks, alles da. Super. Bis zu dem Moment, an dem mein Sohn kurz beschlossen hat, wieder in die Wohnung zu gehen und die Türklinke zur Balkontür herunterzudrücken. Tür zu. Richtig zu. Oh man. Er drinnen, wir draußen. Was ein Türgriff ist, weiß er noch nicht. Minutenlange Erklärungen und Anleitungen (auch per Youtube durch das Fenster) führten dazu, dass wir die Tür oben zumindest einen Spalt breit öffnen konnten. Aber nicht genug, um eine Hand durchzustecken. Langsam kam auf beiden Seiten der Tür Panik auf. Ein Handy befand sich mit auf dem Balkon (Akku 10 Prozent), die Nummer vom Schlüsselnotdienst war gewählt. Ging keiner ran. Hatte ich erwähnt, dass Feiertag war? Dann der Rückruf vom Schlüsseldienst und die schlechte Nachricht, dass es super schwierig wird, in unsere Wohnung zu kommen, weil die Haustür abgeschlossen war ( – natürlich war die abgeschlossen, damit eben kein Kleinkind einfach in den Hausflur läuft – was für ein thematischer Kreislauf). Und während ich die Nachricht des Schlüsseldienstes verdaute, hörte ich ein Knacken und die Tür war wieder auf. Die Gabel vom Mittagessen hat hervorragende Dienste geleistet und der Vater des Tages wurde einstimmig gekürt.

Ich habe direkt mal nachgeschaut: die Statistik zu Haushaltsunfällen in Coronazeiten wurde noch nicht ausgewertet, aber ich glaube für uns wäre ein Ausflug zum See heute weniger aufregend gewesen.

 

 

22.05.2020 – 69 Tage „nur wir und ein paar ausgewählte Andere“

 

Warum ich in letzter Zeit so oft an Schmetterlinge denke? Weil ich folgendes Bild im Kopf habe: wie sich eine Frau aus der Jogginghose und dem Sweater schält, die Sachen von sich wirft und in ein luftiges Sommerkleid schlüpft, Lippenstift aufträgt und schwungvoll die Tür öffnet und das Haus verlässt.

Diese Frau könnte auf jeden Fall auch ich sein, denn genau so habe ich mich gefühlt, wenn in den letzten Tagen das Haus verlassen habe. Es ist schon verrückt, wie etwas Normales zu etwas Besonderem werden kann, wenn man es nur lange genug nicht als normal empfindet. Ich kann mir auch direkt vorstellen, dass viele Frauen und Männer, sich für diesen besonderen Auftritt ein neues Outfit gekauft haben. Und mit gekauft meine ich im Zweifel bestellt. Ich bin auch in der Höchstform meines Lebens, was Onlinekäufe angeht. Ich liebe es lokal zu shoppen, aber als es nicht möglich war, habe ich zugegebenermaßen auch nicht in Verzicht gelebt. Und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine DHL-Postbox zum Senden und Empfangen genutzt und finde das so praktisch. Ein echter Wissensgewinn aus der Not! Und damit auch mein wichtigstes Accessoire an dieses Gefühl von Neuheit und Frische angepasst wird, habe ich direkt den Bildschirmhintergrund meines Handys angepasst und habe dazu den besten Tipp. Wer einen besonderen Hintergrund sucht, der nicht von Android oder Apple erstellt wurde und auf den Klassiker des Familienfotos verzichten kann, der lässt sich wie ich einfach einen eigenen Hintergrund designen. Klingt schwierig? Klingt teuer? Klingt langwierig? Überhaupt nicht. Pinsel, Wasser, Tuschkasten, kleine Hände, Foto machen und fertig. Ich finde es mega gut und habe bei jedem Blick auf mein Telefon wieder dieses gute Gefühl von Freiheit und Neuheit. Und denke auch immer an die Schmetterlinge.

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