Corona - Alltag, Elternschaft, Familie & Leben, Familienleben, Gastbeiträge
Schreibe einen Kommentar

Corona Tagebuch: Eine Woche „nur wir“

08.05.2020 – 55 Tage „nur wir“

 

Erste Male sind aufregend. Der erste Schultag, die erste eigene Wohnung, die erste große Liebe. Und wenn man dann ein Baby bekommt gibt es noch unzählig viele neue erste Male. Das erste Lächeln, die ersten Worte, die ersten Schritte. Manche Momente bleiben für immer im Herzen oder in der Erinnerung, manche werden durch neue Erfahrungen ersetzt.

Wir hatten jetzt die Chance auf ein zweites erstes Mal. Nach anderthalb Monaten ohne Spielplatz hat sich das wirklich so angefühlt als wären wir nie dagewesen.

Und wie war das nun? So wie sich auch für alle anderen Eltern mit Kindern in unserem Stadtteil angefühlt hat. Die waren nämlich auch alle da. Ich habe noch nie, wirklich niemals nie, so viele Leute auf unserem Spielplatz gesehen. Sandkasten – voll, Klettergerüst – voll, Schaukel – lange Schlange. Was ich nicht gesehen habe: 1,5-Meter-Abstände oder Masken. So wunderbar wie ich diese alte Normalität fand, so erschreckend fand ich auch die Rückkehr zu dieser. Es war wirklich eine Zeitreise um ein Jahr zurück als wir das erste Mal auf einem Spielplatz waren, denn nichts hat sich geändert. Ach ne, doch. Ein paar Kleinigkeiten waren neu. Z.B. die Mütter auf der Bank, die sich sicher waren, dass Corona doch auch nichts anderes als eine Grippe ist. Und die beiden Kinder, die Fangen gespielt haben und laut riefen: „ich fang dich, du Corona-Monster“. Ist das jetzt unsere neue Normalität: Corona in aller Munde, aber nicht in Aktion?

 

Ich habe meinem Sohn erklärt, dass wir zu einem anderen Spielplatz gehen werden. Und da waren dann tatsächlich nur zwei andere Kindern und während wir gerutscht sind und im Sand gespielt haben, sind diese auf der Wiese gerannt. Sollte es so nicht eigentlich sein? Oder hab ich da was verpasst?

 

10.05.2020 – 57 Tage „nur wir“

 

Berlin, Bonn, Kiew, Frankfurt und Rom – das sind natürlich nicht die Orte für meine geplanten Städtetrips diesen Sommer, klar.

 

Das sind die Orte an denen liebe Freunde wohnen, die wir zur Zeit nicht besuchen können. Aus dieser eigentlich traurigen Tatsache hat sich aber eine schöne neue Gewohnheit entwickelt. Jeden Donnerstagabend treffen wir uns virtuell und es fühlt sich fast so an als ob wir wieder alle in einer Bar zusammensitzen. Wir reden über unsere neuen Hobbies, über den Alltag mit kleinen Kindern, über abgesagte Urlaube und machen neue Reisepläne. Und letztens hat eine Freundin gefragt: was wird für euch anders werden, wenn die Maßnahmen weiter gelockert werden? Diese Frage hat mich ziemlich unvorbereitet getroffen, denn für mich war klar: nichts. Ich werde nicht sofort in den ersten Biergarten stürmen oder zum Friseur gehen. Oder einen Wochenendausflug machen und im Hotel übernachten. Natürlich ist es schön, dass es diese Möglichkeiten wieder gibt. Und es ist schön, dass die Situation sich wieder normalisiert. Aber ich finde, das einzige, was sich geändert hat ist folgendes: die Verantwortung zur Vermeidung einer Ansteckung liegt jetzt viel mehr bei der einzelnen Person. Ich entscheide nämlich jetzt, ob ich im Restaurant esse oder nicht oder ob ich in meinem Sportverein trainiere oder nicht, ob ich ins Museum gehe oder nicht. Und beides ist okay.

 

Aber wir müssen noch ein bisschen aushalten und dann schon bald werden Bosses Worte wahr: „Und Stück für Stück kommt das Lachen zurück, und die Freude und der Hüftschwung und das Glück.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.