Corona - Alltag, Familie & Leben, Familienleben, Gastbeiträge
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Corona Tagebuch: Eine Woche „nur wir“

01.05.2020 – 48 Tage „nur wir“

 

Heute ist Feiertag. Tag der Arbeit. Alles neu macht der Mai. Oder auch nicht. Alles wird nicht neu, so viel ist sicher, aber ein paar wichtige Dinge haben sich in den letzten Tagen schon geändert. So hat Österreich seine Ausgangsbeschränkungen aufgehoben. Und die Kindergärten wieder geöffnet. Auch in Deutschland sollen die Spielplätze wieder öffnen. Ob das ein Ergebnis des Aufschreis vieler Eltern, der zum Hashtag „coronaeltern“ geführt hat, ist oder eine Folge der geringen Reproduktionszahl, weiß ich nicht. Und eigentlich ist zumindest das Thema Kindergarten für mich nicht relevant, weil ich in Elternzeit bin und mit meinem Sohn zu Hause. Aber dann wiederum sind es auch nur noch auf den Tag genau zwei Monate bis zu dem Tag, an dem die Eingewöhnung anfangen soll. Und so sehr ich mitfühle mit allen Müttern und Vätern, egal ob im Homeoffice oder mit weiteren Kindern zu Hause, und wie sehr ich verstehe, warum sie sich den Kindergarten zurücksehnen, so frag ich mich doch: würde ich meinen Sohn am ersten Tag, an dem die Betreuungseinichtungen wieder öffnen, auch dort hinbringen? Oder am zweiten Tag? Oder in der dritten Woche?

 

Ich habe heute in einem Forum für Eltern in Amsterdam gelesen, dass dort am 11.05.2020 Kinder wieder zu Tageseltern und in Kindergärten gehen dürfen. Und die Meinung war fast einheitlich: ich werde mein Kind weiter zu Hause lassen. Das hat mich überrascht. Klar muss hier unterschieden werden, zwischen Eltern, die ihr Kind zu Hause betreuen können und denen, die eben keine solche Möglichkeit haben. Aber es gibt bestimmt viele, die jetzt abwägen müssen: den Luxus der Betreuung durch andere nutzen und dafür das Risiko einer Ansteckung in Kauf nehmen oder zulasten von Einkommen, zulasten von mentaler Gesundheit, zulasten von Spielkontakten, zulasten von Schlaf eben doch weiter versuchen Homeoffice oder Studium und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Diese Entscheidung kann so schwierig sein, dass ich es mir nicht einmal vorstellen kann. Ich lese, wenn es um das Thema Ansteckung geht, nur die offiziellen Artikel und Berichte und muss auf diese vertrauen. (Warum habe ich eigentlich nicht Virologie oder wenigstens Biologie studiert? Oder zumindest Mathematik, um irgendwelche Wahrscheinlichkeiten auszurechnen?) Und wenn ich da von einer großen Anzahl von Viren auch in kindlichen Lungen lese und schweren Erkrankung von Kindern in Italien und Spanien und Frankreich – dann frage ich mich, ob ich mein Kind in der aktuellen Situation an einem Ort ohne Mindestabstand, ohne Niesetikette, mit hohem Kuschelbedarf lassen würde. Und dann lese ich weiter und höre, dass es keinen einzigen nachgewiesen Fall gibt, bei dem ein Kind eine andere Person angesteckt hat. Pfffuhhh, was für ein Gedankenkarussell. Bin ich auf der sicheren Seite, weil mein Sohn erst fast zwei Monate nach der Kitaöffnung in den Kindergarten gehen soll? Oder wird der Kindergarten bis dahin wieder geschlossen sein, weil es zu einer zweiten Welle kommt?

 

Alles neu macht der Mai. Und ab jetzt auch der Juni. Und der Juli. Und jeder Monat bis zum Ende der Pandemie. Denn keiner kann die Zukunft und die unseren Alltag so wesentlich betreffenden Änderungen voraussagen. Und wir werden wohl alle Experten werden im Abwägen. Und die vielleicht extremsten Entscheidungen unseres Lebens treffen. Zu einem Thema, von dem wir fast nichts wissen.

Das ist so wie in die Pfütze zu springen: wie tief diese ist und ob du nasse Füße bekommst, weißt du erst hinterher.

03.05.2020 – 50 Tage „nur wir“

Den aktuellen Stand der Dinge fasse ich heute kurz und bündig zusammen: mein Freund hat mich gefragt, warum ich meine alte Brille trage. Hab ich nicht. Ist meine neue Brille. Lange nicht gesehen, weil ich die nur aufsetze, wenn ich aus dem Haus gehe. Hallo und willkommen in meiner Selbstquarantäne.

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