Corona - Alltag, Familie & Leben, Familienleben, Gastbeiträge, Leitartikel
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Corona Tagebuch: Eine Woche „nur wir“

13.04.2020 – 31 Tage „nur wir“

 

Oh wow, ein Monat ist vorbei. Ein ganzer Monat ohne Ausflüge, ohne Treffen, ohne Besuche. Was haben wir eigentlich gemacht mit dieser Zeit, die wir sonst im Auto, im Zug, mit Freunden, mit Familie et cetera verbracht hätten? Ich kann auf jeden Fall sagen, was wir nicht gemacht haben: ich habe keine neue Sprache gelernt, ich habe nicht jeden Tag Yoga gemacht, die Einrichtung unserer Wohnung wurde nicht nach den neuesten Interiortrends aufgemotzt, wir waren nicht jeden Tag an der frischen Luft. Und das ist vollkommen okay so, das ist kein Wettlauf – es gibt ja in naher Zukunft kein festes Ziel, welches ich durch große Akitivität erreichen könnte.

 

Ansonsten würde ich sagen haben wir viel gekocht, gebacken und gegessen. Ich habe mir ständig Sorgen und Gedanken gemacht. Andauernd aufgeräumt. Aber hey: das klingt eigentlich total nach unserem normalen Alltag. Hat sich objektiv also doch gar nicht so viel geändert? Sind bloß die Sachen weggefallen, die mir eben am Herzen liegen? Eventuell, vielleicht, wahrscheinlich …

 

Okay, es gibt doch etwas, was der letzte Monat ermöglicht hat, was sonst vermutlich nicht der Fall gewesen wäre: mein Sohn singt jetzt die Melodie von „Heidi“ und kann sich selbst „Peppa Wutz“ an meinem Smartphone anmachen. Whoop whoop.

 

16.04.2020 – 34 Tage „nur wir“

 

Juliette: Deine Gegenwart ist mir so angenehm, daß ich vergessen werde, daß ich dich zu lange hier stehen lasse.

 

Romeo: Und ich stehe so gerne hier, daß ich mich nicht erinnre eine andre Heimat zu haben als diese.

 

(Shakespeare, Romeo und Julia, 2. Szene)

 

Die berühmte Balkonszene aus Verona. Egal ob man da jetzt einen Leonardo DiCaprio vor sich sieht oder den Originalschauplatz aus dem letzten Italienurlaub, jeder hat ein Bild davon im Kopf, wie Romeo auf der Straße steht. Warum mir diese Szene in den letzten Tagen immer mal wieder durch den Kopf ging: weil auch wir gerade unsere (Zweit-)Liebsten nicht sehen und nur hören können. Und weil ich jetzt tatsächlich die Balkonszene durchgespielt habe. Kurz vor Ostern wollte ein Teil meiner Familie gerne Ostergeschenke vorbeibringen Und weil mein Sohn zu klein ist, um die Notwendigkeit eines Sicherheitsabstandes zu verstehen, haben wir uns darauf geeinigt, dass er und ich oben auf dem Balkon bleiben und nur der Papa nach unten geht. Da standen wir nun und haben uns unterhalten, gewunken, sogar ein bisschen gesungen. Leider ohne die große Romanze aus Romeo und Julia., vielmehr mit dem Gefühl der Tragödie. Für mich war das so viel schwerer als einfach in der Wohnung zu sein und zu telefonieren. So nah und doch so fern.

Und noch ein Bezug zu Romeo und Julia ist auffallend. Romeo spricht davon, dass er in Julia eine neue Heimat findet und die alte ganz vergessen könnte. Wir alle müssen gerade in ein neues Leben „umziehen“ und eine neue Routine und neue Heimat finden. Das klingt erstmal ganz einfach, schließlich sind wir ja in unserem alten Zuhause. Ist es aber dann doch nicht, weil wir so wie Romeo aus der Struktur unserer Freunde und weiteren Familie entfernt werden.

Und das war es dann auch schon mit Shakespearereferenzen von meiner Seite, denn was es für uns geben wird, ist ein Happy End. Da bin ich mir sicher. The End.

 

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