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Masken nähen gegen COVID-19 – Die Solidaritätsmaske

 Dieser Artikel ist von Ina. Sie ist Anästhesistin, Intensivmedizinerin und Notärztin aus Leipzig, Patchworkmama von insgesamt drei Kindern (zwei eigene und ein Patchworkkind). Gerade ist sie mit ihrer kleinen Tochter in Elternzeit und möchte dazu beitragen, dass sich möglichst viele Menschen vernünftig verhalten und wir die Mittel nutzen, die uns zur Verfügung stehen, um die Ansteckungsrate so gering wie möglich zu halten.

Mit großer Sorge sehen wir die täglich steigenden Zahlen an SARS-COV-2-Infizierten und müssen davon ausgehen, dass schon bald unser medizinisches System stark überlastet sein könnte – mit schwersten Folgen für unsere Gesellschaft. Immer wieder hören wir von Menschen, die die Warnungen nicht ernst nehmen und sich nicht an die Regeln und Maßnahmen halten, da sie sich nicht zur „Risikogruppe“ zählen. Die Problematik betrifft aber nicht nur Patienten mit CoViD-19, sondern ALLE, denn wer soll die Verkehrsunfälle, Krebspatienten oder Hirnblutungen behandeln, wenn alle Intensivbetten belegt sind?

Ein Satz hat mich letzte Woche aber abseits der Meldungen über Coronaparties, besonders betroffen gemacht. Im NDR-Podcast „Coronavirus-Update” sprach der Virologe Professor Christian Drosten über das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit und stellte fest, dass die Übertragung des Virus im Nahbereich dadurch durchaus verringert werden könne, wandte dann aber ein: Wir können das, glaube ich, nicht hinbekommen in unserer westlichen Gesellschaft, wo man das nicht gewohnt ist und wo man sich nach jemandem, der jetzt mit Maske durch die Stadt läuft, umdreht…“

https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html

Ernsthaft? Sind wir so? Wollen wir so bleiben? In der jetzigen Situation?

Versteht mich nicht falsch: Die Einhaltung von Abstand, Hygienemaßnahmen und Social Distancing sind die obersten Prioritäten und wichtigsten Maßnahmen, um die schnelle Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen. Aber wollen wir wirklich ohne weiteren Schutz mit der S-Bahn zur Arbeit zu einem systemrelevanten Job fahren? Unsere Familienmitglieder, mit denen wir zusammenwohnen anhusten, wenn wir selbst erkrankt sind? Oder der betagten Nachbarin helfen? Ist es nicht eine Frage der Höflichkeit und des Respektes voreinander, alles dazu beizutragen, seine Mitmenschen nicht anzustecken?

Wir sollten jede Möglichkeit nutzen, wie wir alle dazu beitragen können, dass wir in Deutschland die Übertragungsrate senken und „die Kurve abflachen“ könnten: Indem es gesellschaftlich akzeptierter wäre, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen. Nein, keine professionellen Masken, die erfüllen andere Ansprüche und müssen unbedingt für die Arbeit am Patienten in den Kliniken vorbehalten blieben! Sondern mit selbst genähten Masken.

Wenn also möglichst viele Menschen eine selbst hergestellte Maske in der Öffentlichkeit tragen würden, könnte das dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit einer Virusübertragung im Nahbereich zu vermindern. Nicht um sich selbst zu schützen, aber um für den Fall, dass man asymptomatischer Überträger sein sollte sein Umfeld zu schützen.

Zum Beispiel beim Einkaufen, in der Apotheke oder Straßenbahn, beim Entgegennehmen oder Ausliefern von Paketen und Pizza oder auf der Post. SARS-CoV-2 wird hauptsächlich über Tröpfchen-Infektion übertragen. Und durch eine selbstgenähte Maske kann die Aerosolbildung und damit die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des Virus beim Sprechen, Husten und Niesen etwas gemildert werden.

Tatsächlich gibt es keine sichere Evidenz für das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit.

Allerdings fehlt uns auch die Zeit, das zum aktuellen Virus ausreichend in Studien zu untersuchen. Die Nachteile des Tragens einer selbst genähten Maske sind hingegen gering.

„Aber es wäre besser für dich…“

In Asien ist es selbstverständlich, sein Umfeld vor Infektionen zu schützen und eine Maske zu tragen. Die Masken dort werden nicht nur wegen der Luftverschmutzung in Großstädten genutzt. Ich durfte das selbst während meines Medizinstudiums im Rahmen einer Famulatur in Tokyo erleben. Ich hatte damals eine Erkältung und fragte meine Gaststudentin, ob ich denn jetzt auch einen Mundschutz tragen müsse. „Nein, das musst Du nicht.“ sagte sie mir. Japaner sind sehr höflich und würden einem Gast niemals direkt sagen, was er zu tun oder zu lassen habe. „Aber es wäre besser für Dich.“ „Warum wäre das besser für mich?“ Ein Mundschutz bei Schnupfen ist schon eher unangenehm… „Na stell Dir mal vor, Du würdest jemanden anstecken. Dann müsstest Du mit dem schlechten Gewissen leben.“

Und dabei ging es um einen Schnupfen.

Lasst uns ein Zeichen setzen und zeigen, dass es in unserer Gesellschaft nicht völlig abwegig ist, eine Maske zu tragen, um unsere Mitmenschen zu schützen! Verhindert dadurch auch, dass professionelle Masken in der Öffentlichkeit genutzt werden und in Klinken fehlen! Zeigt, dass Ihr die Problematik ernst nehmt und setzt ein Zeichen der Solidarität!

Nutzt die Zeit, die Ihr nun zu Hause verbringen müsst und näht für Euch und Eure Familien Masken. Tragt sie immer dann, wenn Ihr Eure Wohnung verlassen müsst. Nehmt möglichst bunte Stoffe, die nicht beängstigend aussehen.

Achtung: Die Aktion darf auf keinen Fall dazu verleiten, das Social-Distancing zu untergraben! Es ist auf jeden Fall weiterhin erforderlich zu Hause zu bleiben, Aktivitäten außerhalb der Wohnung auf ein Mindestmaß zu reduzieren und den Mindestabstand von 1,50-2,00m Abstand einzuhalten. Die Masken müssen eine zusätzliche Maßnahme sein. Und mit Symptomen darf die Wohnung auch mit Maske nicht verlassen werden!

Eine Nähanleitung wurde unter anderem durch die Stadt Essen veröffentlicht.

Auch der MDR hat hierzu einen Artikel veröffentlicht.

An der Uniklinik Dresden werden bereits selbst genähte Masken eingesetzt.

Diese Masken können keine FFP2- oder -3-Masken ersetzen, die den Träger schützen. Es geht nur darum, seine eigenen Tröpfchen bei sich zu behalten und die Übertragung auf diesem Weg zu verlangsamen.

Die Masken sollten aus kochfestem Stoff sein. Sie brauchen einen Drahtbügel, um sie dicht ans Gesicht anmodellieren zu können. Und sie sollten, wenn sie nass sind getauscht und in der Kochwäsche gewaschen werden. Nach dem Abnehmen der Maske Händewaschen!

 

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