Kolumnen, Leitartikel
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Mein Vorsatz? Keine Vorsätze!

Mein Baby, der Kinderwagen und ich ruckeln durch das regengraue Rosental. Wir sind nicht die einzigen, die es bei diesem miesen Januarwetter vor die Tür treibt. Zahlreiche Sportler tummeln sich im Park, viel mehr als sonst. Einen Moment stutze ich, doch dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Das sind Gute-Vorsätze-Menschen. Im Januar haben die Hochkonjunktur und mit ihnen die Diät-Industrie, Fitnessstudios, Nikotinpflaster und Co.

 

Dieses Jahr mach ich da nicht mit. Vorsatz-Boykott! Und das, obwohl ich sehr genau weiß, dass es bei mir einiges zu optimieren gebe.

 

Nehmen wir nur mal diesen Tag. Ich bin heute Morgen kurz vor knapp aus dem kuschligen Bett gestiegen. Ich hätte den Tag auch in aller Ruhe, mit einer Meditation, 20 Sonnengrüßen und einer dieser hippen Kurkuma-Lattes beginnen können. Stattdessen schlaf ich solang mich die Minis lassen und mach mir lieber nen starken Kaffee.

Auf dem Weg in die Küche kommt mir ein Rudel Wollmäuse entgegen. Wollmäuse – müsst ihr wissen– sind Herdentiere. Ich hätte mir vornehmen können den Haushalt besser in den Griff zu bekommen und mit einen tollen Plan dazu in mein gut gepflegtes Bullett-Journal aufmalen können.  Oder eben nicht. Wie sagt meine Nachbarin so schön:

„Du hast die Wahl zwischen stundenlang sauber machen, oder 5 Minuten schämen.“

 

Ich hole das Baby aus dem Bett, natürlich nicht aus seinem eigenen, diesen Illusionen gebe ich mich beim zweiten Kind erst gar nicht hin. Es bekommt eine frische Windel. Keine aus Stoff, nicht mal eine von diesen arschteuren super-duper Windelabos, sondern Drogeriewindeln. Hausmarke.

Nun wird der Mini geweckt. Im Kinderzimmer stolpere ich über 186 Spielzeugautos. Die hätte ich gestern Abend noch wegräumen können, oder besser noch, ihn selbst zum Wegräumen erziehen können. Doch mit Kindern im Haus aufzuräumen ist so sinnvoll wie mit Keksen im Mund Zähne zu putzen. Also versuche ich mich damit abzufinden, dass ich 2038 wieder ein ordentliches Zuhause haben werde.

Das Frühstück für den Minimann ist kein hausgemachter Weizenkleiebrei mit kunstvoll drapierten Obststückchen aus regionalem Anbau. Heut mal nicht. Und sonst auch nicht.

Beim Anziehen stelle ich fest, dass die Winterstiefel des Minimanns vom Vortag noch völlig dreckverkrustet sind. Ich könnte die Sachen ja schon am Abend rauslegen und alles prüfen. Oder eben nicht.

 

Warum ziehe ich überhaupt all diese Vergleiche? Na weil mir Social Media, Influencer und andere Medien suggerieren, dass ich an mir ständig etwas optimieren könnte. Werde die bessere Version deiner selbst! Werde zur besseren Mutter! Hab schönere Haare! Lebe gesünder! Lebe nachhaltiger! Sei bewusster! Sei schlanker, gesünder!

Höher! Weiter! Besser!

 

Mich frustriert das. Dieses ständige Vergleichen. Das Streben nach Perfektion. Ich versuche mich davon nicht beeinflussen zu lassen, aber so richtig gelingen will es mir einfach nicht. Wenn ich Instagram öffne, lächeln mir perfekt gestylte Instamoms mit glossig-glänzender Wallemähne aus den kleinen Quadraten zu. Sie sitzen auf riesigen hellen Sofas inmitten ihrer skandinavisch anmutenden Wohnung mit mehr Hygge als in ganz Småland. In die Kamera halten sie ihre rotwangigen Babys wie das perfekte Must-Have-Accessoire der Saison.

 

Klar, mir ist bewusst, dass diese schöne Welt eben auch nur eine Scheinweilt ist. Ein winziger Auszug, aus ihrem sonst sicher recht normalen Leben. Bestimmt züchten diese Familien auch Wollmäuse und geben ihren Kindern Nudeln mit Ketchup zum Abendessen.

Wenn ich einen Vorsatz habe dann den:

 

Zufriedener mit mir selbst sein. Und wenn ich es nicht mehr bin, dann muss ich was ändern. Aber nicht, weil ein bestimmtes Datum, ein Magazin oder ein Influencer es mir sagt.

 

Eure Bella

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