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Tausche Leipzig gegen Kambodscha – Familie Döhler wandert aus

Wenn man Kambodscha hört, fällt dem ein oder anderen Südostasien-Fan sicher einiges dazu ein. Ganz allgemein dürfte das Nachbarland von Thailand, Laos und Vietnam für Backpacking, seinen Hauptsightseeing-Spot Ankor Wat, traumhafte Strände und relativ unberührte Natur bekannt sein.

Aber halt! Was hat denn Kambodscha bitte hier in der Rubrik „Land und Leute“  zu suchen? Tja, die Verbindung zu diesem Abenteuerland schafft eine junge, sympathische Familie aus Leipzig. Und genau die wollen wir euch heute vorstellen:

Meet the Döhlers

Familie Döhler – das sind Katharina und Julius mit Jakob, 5 Jahre alt und das zweijährige Nesthäkchen Charlotte. Die vier quirligen Wahl-Leipziger lieben das Leben und teilen es am liebsten mit ihren Familien und Freunden. Im Juli 2019 wandern sie nach Kambodscha aus.

So weit so gut. Doch wie kommt eine junge Familie dazu alle Zelte im schönen Leipzig abzubrechen und nach Kambodscha auszuwandern?

Diese und viele weitere Fragen rund um ihr großes Abenteuer, ihre Familie und das Leben in Leipzig beantworten die Vier uns und euch im folgenden Interview.

Foto (privat): Diese vier sympathischen Wahl-Leipziger zeiht es in die Ferne.

Wie alles begann …

Katharina und Julius lernten sich 2010 bei einem einjährigen Hilfseinsatz in Tansania kennen. Klein ist die Welt – denn eigentlich liegen die Heimatorte der gelernte Kinderkrankenschwester und des Physiotherapeuten nur 50km auseinander. In Afrika jedoch arbeiteten die zwei in einem Entwicklungshilfeprojekt zusammen und bauten mit einem kleinen tansanischen und deutschen Team u.a. eine Krankenstation auf.

„Das war ganz schöne Pionierarbeit, da wir mit diesem Vorhaben bei 0 angefangen haben“, erklärt Katharina, „aber der Einsatz hat sich voll gelohnt: unsere wunderbare Familie ist entstanden und die Krankenstation gibt es jetzt auch noch. Nur dass sie sogar noch weiter gewachsen ist und komplett ohne Hilfe von Außen wunderbar funktioniert.“

Direkt nach dem Einsatz in Tansania zog es die beiden nach Leipzig, wo Katharina schon vor dem Projekt für 5 Jahre lebte.

„Katharina fand die Stadt so lebenswert, dass ich mich ohne Probleme darauf eingelassen habe“, erklärt Julius.

Kurz darauf wurde geheiratet. Gemeinsam mit ihren zwei Kindern leben die beiden in Plagwitz. Sie kosten wertvolle Familienmomente aus, genießen das gemeinsame Leben mit ihren Freunden und der Gemeinde. Begeistert schwärmen sie von ihrer aktuellen Heimat:

„Leipzig ist der Hammer! Wir lieben die Leute, das Stadtbild, unsere Kirche, unsere Hausgemeinschaft und die Möglichkeiten hier. Leipzig ist grün, man kann hier schön und vergleichsweise günstig wohnen, es gibt viel Kreativität und viele angenehme Leute.
Wir schätzen es sehr, dass man ziemlich schön und zentral wohnen kann, aufs Rad steigt, fast ausschließlich nur durch Park und Wald fährt und in nur 20 Minuten am See ist. Leider gibt es in Leipzig auch noch viele engstirnige und sehr selbstbezogen lebende Leute. Es gibt keine bessere Kraft, wenn Leute aufhören in allem nur an sich und ihr Bestes zu denken.“

„Wir haben einfach Bock darauf.“

Und was bewegt nun eine vierköpfige Familie der Stadt, die sie lieben, dennoch den Rücken zu kehren und nach Asien auszuwandern?

„Weil wir einfach Bock darauf haben“, meint Julius und grinst. „Nein, dazu gehört schon etwas mehr. Wir empfinden unser Dasein hier mit all dem Wohlstand und den Möglichkeiten als absolut großes Privileg. Dieses Privileg haben aber längst nicht alle Menschen auf dieser Welt. Es ist so wertvoll, wenn man anderen Menschen entscheidend und lebensverbessernd helfen kann. Wenn wir viel empfangen, hier geht es längst nicht nur um Materielles, können wir auch viel weitergeben und andere daran teilhaben lassen. Das ist uns nochmal ganz neu wichtig geworden, woraufhin wir uns für ein Leben als Familie in einem Entwicklungsland bereit erklärt haben. Kambodscha haben wir uns da allerdings nicht einfach ausgesucht. Kambodscha hat sich uns ausgesucht.“

„Kambodscha hat sich uns herausgesucht.“

Die Döhlers sind eine sehr gläubige Familie und aktive Mitglieder der Gemeinde ICF Leipzig (International Christian Fellowship, Freikirche mit Standorten in ganz Europa und Asien; Anmerkung der Redaktion). Und so spielte ihr Glaube auch in der Entscheidungsfindung ein passendes Land für ihr Vorhaben zu finden eine wichtige Rolle:

„Als wir überlegt haben als Familie in ein Entwicklungsland zu gehen, war es uns wichtig, dass etwas Passendes auf uns zu kommt und wir nicht das Passende suchen müssen. Da wir an Gott glauben und auch davon überzeugt sind, dass er uns mit am besten kennt, hatten wir vollstes Vertrauen darauf, dass Gott uns auch bei diesem Schritt helfen kann. So kam es, dass uns das Projekt vom ICF Cambodia auf sehr interessante Weise begegnete und wir schnell merkten, dass wir uns dort mit unseren Fähigkeiten sehr gut einbringen können. Wir haben ein sehr gutes Gefühl dabei, auch wenn das rational nicht erklärbar ist“, ergänzt Katharina, wie es letztlich zur Entscheidung für Kambodscha kam.

            „Wir freuen uns schon sehr über jedes Interesse und Anteilnahme“

Wie oben schon erwähnt, ist Kambodscha den meisten als Reiseland bekannt, in dem anders als in Thailand, noch das Ursprüngliche zu finden ist. Weniger touristisch erschlossen, weniger überlaufen, weniger westlich. Die Kehrseite dieser Medaille kennen wahrscheinlich die wenigsten. Kambodscha ist ein stark gebeuteltes Land. Gerade die jüngere Vergangenheit hat dem Land und der Bevölkerung eine schwere Bürde auferlegt. Die Rote Khmer Regierung hat tiefe Narben hinterlassen. Das Bildungssystem wurde dabei vollkommen zerstört und hat sich seitdem noch nicht richtig erholt (Alphabetisierungsrate bei ca 77%).

Die Armut (ca. 2,2 Mio Menschen leben mit weniger als 1,5$/Tag) zwingt die Familien oft dazu, ihren Kindern die Schule zu verwehren oder sie viel zu früh zu beenden, um Geld zu verdienen.

Unter diesen Faktoren leidet fast immer die physische und mentale Gesundheit, vor allem die, der armen Bevölkerung.

Hat man da als Familie mit kleinen Kindern nicht auch ein bisschen Angst, in so ein Land auszuwandern?

„Angst definitiv nicht, aber Respekt.“, sind sich Katharina und Julius einig. „Letztendlich

liegt bei so einem Abenteuer der Fokus auf der Hilfe, die wir leisten können. Uns ist es wichtig, dass wir einen entscheidenden Beitrag leisten können und nicht einfach nur woanders leben. Wir erhoffen uns für Kambodscha nicht so viel anderes als wir uns auch hier vom Leben erhoffen würden. Unser Leben dort soll relevant und bereichernd für uns und andere sein. Das ist unsere Erwartung.“

Um sich im fernen Asien finanzieren zu können, sind die Döhlers zu einem Großteil auf Spenden angewiesen. Damit sie sich zu 100% in das Projekt investieren können und die Gelder der Organisation nicht für ihre Personalkosten draufgehen, braucht die Familie einen Unterstützerkreis.

„Wir freuen uns schon sehr über jedes Interesse und Anteilnahme“, erklärt Julius, „aber damit wir diesen Schritt in die Tat umsetzen können, brauchen wir Leute, die bereit sind uns monatlich mit einer Spende zu unterstützen.“

Die verbleibende Zeit richtig auskosten

Bis zur Abreise im Juli gibt es sicher noch einiges zu organisieren und zu tun. Das ist sicher nicht immer ganz stressfrei. Wohin geht ihr am liebsten mit euren Kids, wenn ihr mal wieder eine Auszeit und Qualitytime als Familie braucht?

„Bei Regen“, fällt Katharina sofort ein, „sind wir super gern in unserer Wohnung, in der wir uns sehr wohl fühlen oder in der unserer Freunde.“

Julius ergänzt: „Gern gehen wir aber auch in den Wald oder Park zum perfekten In-die-Pfützen-Springen oder ins Gondwanaland im Zoo, wenn wir nicht nass werden wollen.

Bei schönem Wetter sind wir oft im Clara-Zetkin-Park, im Palmengarten, am Cossi& Kulki, im Garten, im Hinterhof, natürlich im Zoo, auf dem Bauspielplatz Wilder Westen usw.“

Essen

Und wenn ihr mal eine Auszeit als Paar braucht – nur Katharina und Julius – wohin geht ihr dann, beispielsweise zum Essen?

„Wir sind begeistert von Shady (ein arabisches Restaurant in der Leipziger Südvorstadt) und vom La Cantina (einem spanischen Restaurant in Plagwitz)“, weiß Katharina zu berichten.

Und wohin führt euch der Hunger, wenn ihr mal mit euren Kindern auswärts essen wollt?

„Mit Kindern lieben wir die La Chocolaterie (ein Schokoladencafé gleich bei uns um die Ecke), das Brot & Kees in Markkleeberg – das verbinden wir immer mit einer Familien-Fahrradtour dort hin. Und natürlich das syrische Restaurant Maza Pita in Schleußig mit einer tollen Spielecke und den liebevollsten Restaurantbesitzern die wir kennen.“

Lieblingsorte

Gibt es einen Lieblingsort in Leipzig? Und wenn ja, welchen?

„Nein, den einen Lieblingsort haben wir nicht. Manchmal ist es ein ruhiges Plätzchen mit Hängematte am Cospudener See, ein anderes Mal die Sachsenbrücke mit Live Musik oder eines der vielen kleinen Café, je nach Lust und Laune. Leipzig bietet da ja zum Glück genügend Abwechslung.“

Einkaufen

Das stimmt. Doch nicht nur, was die Unterhaltung angeht, gibt es in Leipzig viel zu entdecken. Habt ihr Tipps, wo man zum Beispiel gut einkaufen kann?

„Klar – Lebensmittel kaufen wir zum Beispiel bei Im Angebot (absolut bester Laden), Denn’s oder anderen Bioläden. Für Geschenke oder Dekoration lieben wir das Vielfach in der Leipziger Südvorstadt, die Fischtüte in Schleußig und den Hafen Leipzig in Plagwitz, aber auch den Wohnmacher in der Innenstadt. Für Schmuck ist das Panta Panta absolut empfehlenswert und wer gute Bücher sucht, wird in unserer LieblingsbuchhandlungH24 in Schleußig ganz sicher fündig.“

 

 

Wir danken euch für das Interview, die vielen Einblicke in euer Abenteuer und die zahlreichen Leipzig-Tipps. Das Rosa Krokodil wünscht euch alles Gute für die Zeit in Kambodscha!

 

Und wer wissen will, wie es mit den Döhlers weiter geht, wer sie in Kambodscha (digital) begleiten oder sogar unterstützen möchte, findet alle wichtigen Infos auf ihrer Homepage oder hier beim Rosa Krokodil, denn wir sind uns sicher, dass wir nicht zum letzten Mal von diesen mutigen Leipzigern berichtet haben.

 

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